Die Mathematik hinter der Simulation

Dieses Modell beschreibt die Kernfusion in wenigen, bewusst vereinfachten Gleichungen, damit sie für alle verständlich ist. Das qualitative Verhalten bleibt dabei dasselbe: wie Temperatur, Dichte und Magnetfeld ein Plasma zünden, wann es stabil bleibt und wie viel Leistung ein Kraftwerk daraus gewinnt. Auf diesen Gleichungen ist die Simulation aufgebaut, in der sich jeder Effekt direkt ausprobieren lässt.

Zwei Hilfsfunktionen finden an vielen Stellen Verwendung. Die erste begrenzt einen Wert auf einen Bereich, die zweite bildet einen weichen Übergang von 0 nach 1.

clamp(x,a,b)=min(max(x,a),b)\operatorname{clamp}(x, a, b) = \min(\max(x, a), b)

xx
Eingangswert
a, ba,\ b
Untere und obere Grenze des Bereichs

s(x; a,b)=u2(3−2u),u=clamp(x−ab−a, 0, 1)s(x;\ a, b) = u^2\,(3 - 2u), \qquad u = \operatorname{clamp}\left(\frac{x - a}{b - a},\ 0,\ 1\right)

ss
Weicher Übergang: 0 bis zum Beginn, 1 ab dem Ende, dazwischen ein glatter Anstieg
xx
Eingangswert
a, ba,\ b
Beginn und Ende des Übergangs
uu
Position zwischen Beginn und Ende, auf 0 bis 1 begrenzt

Brennstoffe

Das Modell betrachtet vier Brennstoffpaare. Die Werte sind gerundete Lehrbuchwerte.

ReaktionEnergie je ReaktionZündtemperaturEnergiedichte
D+T→4He+n\text{D} + \text{T} \to {}^{4}\text{He} + \text{n}17,6 MeV150 Mio. °C3,4 × 1011 J/g
D+D→3He+noderT+p\text{D} + \text{D} \to {}^{3}\text{He} + \text{n} \quad\text{oder}\quad \text{T} + \text{p}3,65 MeV400 Mio. °C8,7 × 1010 J/g
D+3He→4He+p\text{D} + {}^{3}\text{He} \to {}^{4}\text{He} + \text{p}18,3 MeV580 Mio. °C3,5 × 1011 J/g
p+11B→34He\text{p} + {}^{11}\text{B} \to 3\,{}^{4}\text{He}8,7 MeV1000 Mio. °C6,6 × 1010 J/g
D\text{D}
Deuterium, schwerer Wasserstoff mit einem Neutron
T\text{T}
Tritium, Wasserstoff mit zwei Neutronen
3He, 4He{}^{3}\text{He},\ {}^{4}\text{He}
Helium-3 und Helium-4
p\text{p}
Proton
n\text{n}
Neutron
11B{}^{11}\text{B}
Bor-11

Bei Deuterium und Tritium trägt das Neutron 14,1 MeV der Energie davon, der Heliumkern 3,5 MeV. Die Zündtemperatur heißt in den Gleichungen unten TignT_\text{ign}.

Größe der Atomkerne

Der Radius eines Atomkerns wächst mit der dritten Wurzel seiner Massenzahl. Die Simulation übernimmt dieses Verhältnis und zeichnet Deuterium mit 9 Pixeln Radius.

R=r0A1/3,r0=1,2 fmR = r_0\, A^{1/3}, \qquad r_0 = 1.2\ \text{fm}

RR
Kernradius, ein Deuteriumkern ist etwa 4 fm groß
r0r_0
Radiuskonstante, für alle Kerne gleich
AA
Massenzahl, also die Zahl der Protonen und Neutronen im Kern

Rpx=9 px×(A2)1/3R_\text{px} = 9\ \text{px} \times \left(\frac{A}{2}\right)^{1/3}

RpxR_\text{px}
Gezeichneter Kernradius in Pixeln
AA
Massenzahl, also die Zahl der Protonen und Neutronen im Kern

Ein Femtometer ist ein Billiardstel Meter. Die Simulation vergrößert die Kerne deshalb etwa eine Billion Mal.

Tokamak: Energiebilanz des Plasmas

Wie gern ein Brennstoff fusioniert, hängt steil von der Temperatur ab. Die Reaktivität steigt ab einem Viertel der Zündtemperatur an und sättigt knapp oberhalb davon.

r(T)=s(T; 0,25Tign, 1,15Tign)2r(T) = s(T;\ 0.25\, T_\text{ign},\ 1.15\, T_\text{ign})^2

rr
Reaktivität zwischen 0 und 1: wie leicht der Brennstoff fusioniert
TT
Plasmatemperatur in Millionen Grad Celsius
TignT_\text{ign}
Zündtemperatur des Brennstoffs aus der Tabelle oben
ss
Weicher Übergang aus der zweiten Hilfsfunktion oben

Rf=n2r(T)R_\text{f} = n^2\, r(T)

RfR_\text{f}
Fusionsrate, ein Maß für die Zahl der Reaktionen pro Zeit
nn
Brennstoffdichte zwischen 0 und 1; der Regler zeigt sie als bis zu 2 × 10²⁰ Teilchen pro Kubikmeter
rr
Reaktivität zwischen 0 und 1: wie leicht der Brennstoff fusioniert

Die Fusionsrate wächst mit dem Quadrat der Dichte, weil für jede Reaktion zwei Kerne aufeinandertreffen müssen. Die Temperatur ändert sich durch Heizung, durch die Selbstheizung mit Heliumkernen und durch Verluste.

dTdt=Pext+Pα−TτE\frac{\mathrm{d}T}{\mathrm{d}t} = P_\text{ext} + P_\alpha - \frac{T}{\tau_\text{E}}

TT
Plasmatemperatur in Millionen Grad Celsius
tt
Zeit in Sekunden
PextP_\text{ext}
Heizung von außen, in Millionen Grad pro Sekunde
PαP_\alpha
Selbstheizung durch die Heliumkerne aus den Fusionsreaktionen
τE\tau_\text{E}
Energieeinschlusszeit: ein stärkeres Feld hält die Wärme länger

Pext=220h+500i,Pα=180Rf,τE=0,25+1,7B12P_\text{ext} = 220\, h + 500\, i, \qquad P_\alpha = 180\, R_\text{f}, \qquad \tau_\text{E} = 0.25 + 1.7\,\frac{B}{12}

PextP_\text{ext}
Heizung von außen, in Millionen Grad pro Sekunde
hh
Heizleistung zwischen 0 und 1; der Regler zeigt sie als 0 bis 50 MW
ii
Einspritzimpuls: springt beim Einspritzen auf 1 und klingt mit 1,4 pro Sekunde ab
PαP_\alpha
Selbstheizung durch die Heliumkerne aus den Fusionsreaktionen
RfR_\text{f}
Fusionsrate, ein Maß für die Zahl der Reaktionen pro Zeit
τE\tau_\text{E}
Energieeinschlusszeit: ein stärkeres Feld hält die Wärme länger
BB
Magnetfeld in Tesla, zwischen 1 und 12

Die Simulation löst diese Gleichung in Zeitschritten von höchstens 0,05 Sekunden und hält die Temperatur zwischen 2 und 600 Millionen Grad.

Tokamak: Stabilität

Ein heißes, dichtes Plasma drückt stark gegen das Magnetfeld. Ist das Feld zu schwach für diesen Druck, bricht das Plasma zusammen. Entscheidend ist der Vergleich des Drucks mit einem Mindestfeld.

p=nT1000,Bmin=0,6+5pp = \frac{n\, T}{1000}, \qquad B_\text{min} = 0.6 + 5\sqrt{p}

pp
Plasmadruck in vereinfachten Einheiten
nn
Brennstoffdichte zwischen 0 und 1; der Regler zeigt sie als bis zu 2 × 10²⁰ Teilchen pro Kubikmeter
TT
Plasmatemperatur in Millionen Grad Celsius
BminB_\text{min}
Mindestfeld, das diesen Druck gerade noch halten kann

T←T×0,18Δt,Rf←0,3RfT \leftarrow T \times 0.18^{\Delta t}, \qquad R_\text{f} \leftarrow 0.3\, R_\text{f}

TT
Plasmatemperatur in Millionen Grad Celsius
RfR_\text{f}
Fusionsrate, ein Maß für die Zahl der Reaktionen pro Zeit
Δt\Delta t
Länge eines Zeitschritts in Sekunden

Ist das Feld mindestens so stark wie das Mindestfeld, bleibt das Plasma stabil. Sonst kommt es zur Disruption: Temperatur und Fusionsrate fallen in Sekundenbruchteilen, wie in der zweiten Zeile beschrieben.

Tokamak: Leistung und Q-Wert

Ein brennendes Plasma liefert bis zu 1500 Megawatt elektrische Leistung. Die Leistung folgt der Fusionsrate mit einer Zeitkonstante von einer halben Sekunde.

Pel←Pel+(1500 MW×Rf−Pel)×min(1, 2Δt)P_\text{el} \leftarrow P_\text{el} + (1500\ \text{MW} \times R_\text{f} - P_\text{el}) \times \min(1,\ 2\,\Delta t)

PelP_\text{el}
Elektrische Leistung des Kraftwerks
RfR_\text{f}
Fusionsrate, ein Maß für die Zahl der Reaktionen pro Zeit
Δt\Delta t
Länge eines Zeitschritts in Sekunden

Q=1500 MW×RfPheiz,Pheiz=50 MW×h+1 MWQ = \frac{1500\ \text{MW} \times R_\text{f}}{P_\text{heiz}}, \qquad P_\text{heiz} = 50\ \text{MW} \times h + 1\ \text{MW}

QQ
Q-Wert: Verhältnis von Fusionsleistung zu Heizleistung
RfR_\text{f}
Fusionsrate, ein Maß für die Zahl der Reaktionen pro Zeit
PheizP_\text{heiz}
Heizleistung in Megawatt
hh
Heizleistung zwischen 0 und 1; der Regler zeigt sie als 0 bis 50 MW

Der Q-Wert ist das Verhältnis von Fusionsleistung zu Heizleistung. Als gezündet gilt das Plasma, wenn es stabil ist, die Zündtemperatur erreicht hat und die Fusionsrate über 0,15 liegt.

Tokamak: Atomkerne im Plasma

Gleich geladene Kerne stoßen sich ab. Die Abstoßung folgt dem Coulomb-Gesetz, geglättet, damit sie bei sehr kleinem Abstand nicht unendlich groß wird.

a=kZ1Z2d2+ε2,k=14000 px3/s2,ε2=64 px2a = \frac{k\, Z_1 Z_2}{d^2 + \varepsilon^2}, \qquad k = 14\,000\ \text{px}^3/\text{s}^2, \qquad \varepsilon^2 = 64\ \text{px}^2

aa
Beschleunigung, mit der sich zwei Kerne abstoßen
kk
Stärke der Abstoßung, an die Darstellung angepasst
Z1, Z2Z_1,\ Z_2
Ladungszahlen der beiden Kerne; für Bor ist die Abstoßung fünfmal so stark wie für Wasserstoff
dd
Abstand zweier Kerne; die Abstoßung wirkt bis 55 Pixel und ist auf 2200 px/s² begrenzt
ε\varepsilon
Glättungslänge, damit die Abstoßung bei kleinem Abstand endlich bleibt

v←v+0,07(vth−v),vth=18+150clamp(TTign, 0, 1,3) px/sv \leftarrow v + 0.07\,(v_\text{th} - v), \qquad v_\text{th} = 18 + 150\, \operatorname{clamp}\left(\frac{T}{T_\text{ign}},\ 0,\ 1.3\right)\ \text{px/s}

vv
Geschwindigkeit eines Kerns in Pixeln pro Sekunde
vthv_\text{th}
Thermische Geschwindigkeit, auf die ein Thermostat jeden Kern zieht
TT
Plasmatemperatur in Millionen Grad Celsius
TignT_\text{ign}
Zündtemperatur des Brennstoffs aus der Tabelle oben

Zwei Kerne verschmelzen, wenn sie sich näher kommen als das 1,13-Fache ihrer Radien, das Plasma stabil ist und heißer als 45 Prozent der Zündtemperatur. Das leichte Reaktionsprodukt fliegt dann mit 320 px/s in eine zufällige Richtung davon. Bei Deuterium-Tritium und Deuterium-Deuterium ist das ein Neutron, bei Deuterium-Helium-3 ein Proton und bei Proton-Bor ein Heliumkern. In der Simulation folgt die Zahl der gezeigten Kerne der Dichte.

N=round(6+20n)N = \operatorname{round}(6 + 20\, n)

NN
Zahl der gezeigten Kerne
nn
Brennstoffdichte zwischen 0 und 1; der Regler zeigt sie als bis zu 2 × 10²⁰ Teilchen pro Kubikmeter

Stellarator: Einschluss ohne Plasmastrom

Der Stellarator folgt denselben Gleichungen wie der Tokamak, mit zwei Unterschieden. Seine verdrillten Spulen halten das Plasma ohne Plasmastrom, deshalb kann es nicht zur Disruption kommen. Und wie gut die Wärme eingeschlossen bleibt, hängt zusätzlich von der Form der Spulen ab.

τE=(0,25+1,7B12)×(0,55+0,5o)\tau_\text{E} = \left(0.25 + 1.7\,\frac{B}{12}\right) \times (0.55 + 0.5\, o)

τE\tau_\text{E}
Energieeinschlusszeit: ein stärkeres Feld hält die Wärme länger
BB
Magnetfeld in Tesla, zwischen 1 und 12
oo
Spulen-Optimierung zwischen 0,3 und 1

Übersteigt der Druck, was das Feld halten kann, sinkt die Einschlusszeit, statt dass das Plasma zusammenbricht. Es brennt weiter, nur schlechter.

τE←0,45τE(B<Bmin)\tau_\text{E} \leftarrow 0.45\, \tau_\text{E} \qquad (B < B_\text{min})

τE\tau_\text{E}
Energieeinschlusszeit: ein stärkeres Feld hält die Wärme länger
BB
Magnetfeld in Tesla, zwischen 1 und 12
BminB_\text{min}
Mindestfeld, das diesen Druck gerade noch halten kann

Mindestfeld, Fusionsrate, elektrische Leistung und die Atomkerne im Plasma berechnet die Simulation wie beim Tokamak.

Laser: Gewinn eines Schusses

Bei der Laserfusion entscheidet vor allem die Symmetrie der Strahlen. Der Gewinnfaktor eines Schusses ist das Produkt aus einem Grundwert des Brennstoffs und zwei Faktoren für Symmetrie und Laserenergie.

G=GB×fσ×fEG = G_\text{B} \times f_\sigma \times f_\text{E}

GG
Gewinnfaktor des Schusses: Ausbeute geteilt durch Laserenergie
GBG_\text{B}
Grundgewinn des Brennstoffs: 110 für D-T, 38 für D-D, 72 für D-3He, 30 für p-11B
fσf_\sigma
Faktor für die Strahlsymmetrie
fEf_\text{E}
Faktor für die Laserenergie

fσ=s(σ; 0,5, 0,95)2,fE=0,4+0,6clamp(EL−0,5 MJ2,5 MJ, 0, 1)f_\sigma = s(\sigma;\ 0.5,\ 0.95)^2, \qquad f_\text{E} = 0.4 + 0.6\, \operatorname{clamp}\left(\frac{E_\text{L} - 0.5\ \text{MJ}}{2.5\ \text{MJ}},\ 0,\ 1\right)

fσf_\sigma
Faktor für die Strahlsymmetrie
fEf_\text{E}
Faktor für die Laserenergie
ss
Weicher Übergang aus der zweiten Hilfsfunktion oben
σ\sigma
Strahlsymmetrie zwischen 0,3 und 1; unter 0,7 verpufft die Implosion
ELE_\text{L}
Laserenergie zwischen 0,5 und 3 MJ

Y=EL×G,Pel=Y×10 Hz×0,4Y = E_\text{L} \times G, \qquad P_\text{el} = Y \times 10\ \text{Hz} \times 0.4

YY
Energieausbeute des Schusses
ELE_\text{L}
Laserenergie zwischen 0,5 und 3 MJ
GG
Gewinnfaktor des Schusses: Ausbeute geteilt durch Laserenergie
PelP_\text{el}
Elektrische Leistung des Kraftwerks

Ein Laserkraftwerk zündet zehn Schüsse pro Sekunde und wandelt 40 Prozent der Wärme in Strom um. In der Simulation dauert ein Schuss drei Sekunden. Kompression, Zündung und Brand folgen der Zeitachse von 0 bis 1 mit weichen Übergängen.

e(t)={2t2t<0,51−(2−2t)22t≥0,5e(t) = \begin{cases} 2t^2 & t < 0.5 \\ 1 - \dfrac{(2 - 2t)^2}{2} & t \geq 0.5 \end{cases}

ee
Fortschritt der Animation zwischen 0 und 1
tt
Zeitachse des Schusses zwischen 0 und 1

Vergleich mit Kohle und Wind

Der Vergleich rechnet die Kraftwerksleistung auf ein Jahr hoch. Grundlage ist ein Megawatt elektrische Leistung bei 90 Prozent Auslastung und 40 Prozent Wirkungsgrad. Das entspricht rund 7,1 × 1013 Joule Wärme im Jahr.

mF=0,21 kg×PMW×3,4×1011 J/gem_\text{F} = 0.21\ \text{kg} \times \frac{P}{\text{MW}} \times \frac{3.4 \times 10^{11}\ \text{J/g}}{e}

mFm_\text{F}
Fusionsbrennstoff pro Jahr
PP
Elektrische Leistung des Kraftwerks
ee
Energiedichte des gewählten Brennstoffs aus der Tabelle oben

mKohle=2470 t×PMW,mCO2=6160 t×PMWm_\text{Kohle} = 2470\ \text{t} \times \frac{P}{\text{MW}}, \qquad m_{\text{CO}_2} = 6160\ \text{t} \times \frac{P}{\text{MW}}

mKohlem_\text{Kohle}
Steinkohle pro Jahr
mCO2m_{\text{CO}_2}
CO₂ aus der Verbrennung dieser Kohle pro Jahr
PP
Elektrische Leistung des Kraftwerks

NWind=P4 MW×0,30,NKohle=P400 MWN_\text{Wind} = \frac{P}{4\ \text{MW} \times 0.30}, \qquad N_\text{Kohle} = \frac{P}{400\ \text{MW}}

NWindN_\text{Wind}
Windräder mit 4 MW, die im Mittel 30 Prozent ihrer Leistung liefern
NKohleN_\text{Kohle}
Kohlekraftwerksblöcke mit je 400 MW
PP
Elektrische Leistung des Kraftwerks

Für Deuterium-Tritium ergibt das rund 210 Gramm Brennstoff pro Megawatt und Jahr. Steinkohle mit etwa 29 Megajoule pro Kilogramm braucht für dieselbe Wärme rund 2470 Tonnen, bei ihrer Verbrennung entstehen etwa 6160 Tonnen CO₂.

Wissenschaftliche Literatur

Die Gleichungen oben vereinfachen Ergebnisse der Fusionsforschung. Die folgenden Fachartikel erklären die Physik dahinter ausführlich, geordnet nach den Abschnitten dieser Seite. Jeder Eintrag führt über seinen DOI zur Originalveröffentlichung.

Brennstoffe

  • Die Standardformeln für Wirkungsquerschnitte und Reaktivitäten von D-⁠T, D-⁠D und D-⁠³He.

    Bosch, H.-S.; Hale, G. M. (1992): Improved formulas for fusion cross-sections and thermal reactivities. Nuclear Fusion 32, 611–631. https://doi.org/10.1088/0029-5515/32/4/I07

  • Die Reaktionsrate der Proton-Bor-Fusion.

    Nevins, W. M.; Swain, R. (2000): The thermonuclear fusion rate coefficient for p-11B reactions. Nuclear Fusion 40, 865–872. https://doi.org/10.1088/0029-5515/40/4/310

Größe der Atomkerne

  • Elektronenstreuung zeigt, wie groß Atomkerne sind und wie ihre Ladung verteilt ist.

    Hofstadter, R. (1956): Electron Scattering and Nuclear Structure. Reviews of Modern Physics 28, 214–254. https://doi.org/10.1103/RevModPhys.28.214

Tokamak: Energiebilanz des Plasmas

  • Das Lawson-Kriterium: wann ein Plasma mehr Energie liefert, als es verliert.

    Lawson, J. D. (1957): Some Criteria for a Power Producing Thermonuclear Reactor. Proceedings of the Physical Society B 70, 6–10. https://doi.org/10.1088/0370-1301/70/1/303

  • Wie lange ein Tokamak die Wärme hält und wie das vom Magnetfeld abhängt.

    ITER Physics Expert Group on Confinement and Transport et al. (1999): Chapter 2: Plasma confinement and transport. Nuclear Fusion 39, 2175–2249. https://doi.org/10.1088/0029-5515/39/12/302

  • Die Entdeckung der H-Mode, eines Zustands mit deutlich besserem Einschluss.

    Wagner, F. et al. (1982): Regime of Improved Confinement and High Beta in Neutral-Beam-Heated Divertor Discharges of the ASDEX Tokamak. Physical Review Letters 49, 1408–1412. https://doi.org/10.1103/PhysRevLett.49.1408

Tokamak: Stabilität

  • Die Troyon-Grenze: wie viel Druck ein Magnetfeld stabil halten kann.

    Troyon, F. et al. (1984): MHD-Limits to Plasma Confinement. Plasma Physics and Controlled Fusion 26, 209–215. https://doi.org/10.1088/0741-3335/26/1A/319

  • Übersicht über die Dichtegrenze in Tokamaks und Stellaratoren.

    Greenwald, M. (2002): Density limits in toroidal plasmas. Plasma Physics and Controlled Fusion 44, R27–R53. https://doi.org/10.1088/0741-3335/44/8/201

  • Stabilitätsgrenzen und Disruptionen in Tokamaks, mit Blick auf ITER.

    Hender, T. C. et al. (2007): Chapter 3: MHD stability, operational limits and disruptions. Nuclear Fusion 47, S128–S202. https://doi.org/10.1088/0029-5515/47/6/S03

Tokamak: Leistung und Q-Wert

  • Überblick über die Physikgrundlagen von ITER, das zehnmal mehr Fusionsleistung als Heizleistung erzeugen soll.

    ITER Physics Basis Editors et al. (1999): Chapter 1: Overview and summary. Nuclear Fusion 39, 2137–2174. https://doi.org/10.1088/0029-5515/39/12/301

  • Ergebnisse der europäischen Großanlage JET zur Vorbereitung des ITER-Betriebs.

    Mailloux, J. et al. (2022): Overview of JET results for optimising ITER operation. Nuclear Fusion 62, 042026. https://doi.org/10.1088/1741-4326/ac47b4

Tokamak: Atomkerne im Plasma

  • Der Tunneleffekt durch die Coulomb-Barriere, zuerst für den Alphazerfall beschrieben. Derselbe Effekt macht die Fusion bei erreichbaren Temperaturen möglich.

    Gamow, G. (1928): Zur Quantentheorie des Atomkernes. Zeitschrift für Physik 51, 204–212. https://doi.org/10.1007/BF01343196

Stellarator: Einschluss ohne Plasmastrom

  • Das ursprüngliche Konzept des Stellarators.

    Spitzer, L. (1958): The Stellarator Concept. The Physics of Fluids 1, 253–264. https://doi.org/10.1063/1.1705883

  • Die ersten Plasmen von Wendelstein 7-X in Greifswald.

    Klinger, T. et al. (2017): Performance and properties of the first plasmas of Wendelstein 7-X. Plasma Physics and Controlled Fusion 59, 014018. https://doi.org/10.1088/0741-3335/59/1/014018

  • Wendelstein 7-X zeigt, dass ein optimiertes Magnetfeld die neoklassischen Wärmeverluste senkt.

    Beidler, C. D. et al. (2021): Demonstration of reduced neoclassical energy transport in Wendelstein 7-X. Nature 596, 221–226. https://doi.org/10.1038/s41586-021-03687-w

Laser: Gewinn eines Schusses

  • Der Vorschlag, Brennstoff mit Lasern auf extreme Dichte zu komprimieren.

    Nuckolls, J.; Wood, L.; Thiessen, A.; Zimmerman, G. (1972): Laser Compression of Matter to Super-High Densities: Thermonuclear (CTR) Applications. Nature 239, 139–142. https://doi.org/10.1038/239139a0

  • An der National Ignition Facility überschreitet ein Experiment erstmals das Lawson-Kriterium für die Zündung.

    Abu-Shawareb, H. et al. (2022): Lawson Criterion for Ignition Exceeded in an Inertial Fusion Experiment. Physical Review Letters 129, 075001. https://doi.org/10.1103/PhysRevLett.129.075001

  • Erstmals liefert ein Laserfusionsexperiment mehr Fusionsenergie, als der Laser auf das Target gebracht hat.

    Abu-Shawareb, H. et al. (2024): Achievement of Target Gain Larger than Unity in an Inertial Fusion Experiment. Physical Review Letters 132, 065102. https://doi.org/10.1103/PhysRevLett.132.065102